Angedacht 2020

Hier können Sie die Texte des "Angedacht" aus den politischen Mitteilungsblättern nachlesen. Einfach auf die gewünschte Kalenderwoche klicken:

Kalenderwoche 8
Kalenderwoche 7
Kalenderwoche 6
Kalenderwoche 5
Kalenderwoche 4
Kalenderwoche 3
Kalenderwoche 2

20.02.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
Clowns sind vielleicht zunächst einmal albern, denn sie tragen meist viel zu große Klamotten und stolpern unbeholfen in der Manege herum. Wie oft fällt dabei ein Clown hin. Mancher Sturz ist ein Symbol für die unzähligen Stürze des menschlichen Lebens. Das Scheitern an einer Aufgabe ist doch all zu menschlich.
Das Fallen unter der Last des Lebens ist dabei aber definitiv nicht lustig. Gerade wenn man das Gefühl hat, dass dennoch andere über einem Lachen. Der Clown, er kennt das nur zu gut, aber er steht immer wieder auf und macht weiter. Setzt von Neuem an und lacht sogar über sich selbst manchmal mit.
Ein Lachen macht so manchen Sturz doch etwas leichter. Dazu kommt, dass das Lachen rein wissenschaftlich einfach gesund ist: verbessert es nicht nur die Lungenfunktion, sondern versorgt das Gehirn auch mit einer Sauerstoffdusche und massiert die inneren Organe. Stresshormone werden so abgebaut und Glückshormone freigesetzt. Auch die Bibel weiß um den Wert des Lachens. In den Psalmen wird das Lachen sogar verheißen: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein“ (Psalm 126,1+2)
Grund genug immer wieder aus vollem Herzen zu lachen, den Widrigkeiten des Lebens zum Trotz.
Fröhliche Faschingstage
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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13.02.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
vor gut drei Wochen gedachten wir in Kleinostheim des Bombenabwurfes vor 75 Jahren! Unter Glockengeläut wurden im ökumenischen Gottesdienst die Namen der Opfer verlesen. Im Anschluss daran wurden auch die Namen der Opfer genannt, die dem sogenannten Euthanasiegesetz zum Opfer fielen.
Ich glaube, das war für die vielen Besucher besonders eindrücklich. Wieder stand vor Augen, was Menschen einander antun; wie wenig Leben zählen kann…
Drei Wochen später, am 13./14. Februar traf es mit unsäglichem Leid und einer massiven Wucht Dresden!
Erinnern möchte ich in diesen Tagen an eine Person, die mit viel Glück das ganze Elend überlebte:
Er ist Jude, Professor und Eigenheimbesitzer in Dresden. Eines Tages ist er nur noch Jude. Die Nationalsozialisten nehmen ihm alles weg. Sie schicken ihn und seine Familie ins Judenhaus. Dort sitzt Victor Klemperer (1881–1960) und schreibt Tagebuch, über zehn Jahre lang. Am Tag muss er in die Fabrik, abends und nachts schreibt er. Die Tagebücher haben den großartigen Titel „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“. Das Letzte, die vollkommene Tragödie war der schwere Bombenangriff auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945. Den überlebt die Familie im Bunker. Die Tagebücher, damals nur ein Kasten mit vielen losen Blättern, überleben auch. Als sie lange nach Klemperers Tod erscheinen, werden sie ein Welterfolg. Darum wissen wir heute, wie es damals war, als kein Recht mehr galt und viele gläubige Menschen nur Freiwild waren.
Victor Klemperer bekommt nach dem Krieg seine Professorenstelle zurück und ein neues Eigenheim. Er überlebt, weil er Glück hat. Und weil es manchmal Papier und Bleistifte gibt. Ohne das Aufschreiben wäre er verrückt geworden, sagt er. Die Tagebücher sind für ihn wie ein Geländer in der Finsternis. Beobachte, hat er sich selbst gesagt, präge dir ein, schreib es auf – das erhält dir die innere Freiheit. So schlimm die Tage sind, so viele Freunde, Juden und Christen, er auch zu Grabe tragen muss, er verbiegt sich nicht. Er verrät sich selbst und seinen Glauben auch in äußerster Not nicht. Die innere Haltung ist wichtig, wenn die äußere Haltung ins Wanken kommt. Innen kann man gerade bleiben, wenn man außen gebeugt wird durch was auch immer. Innen kann der Geist frei bleiben, wenn außen alles verlogen ist. Hauptsache, ich habe eine Haltung und will mich klar bekennen.
Jesus hat das gewusst; das mit der Haltung. In seinem Gleichnis vom Sämann, der das Wort aussät, weiß Jesus genau, wie schwierig das Wachstum guter Worte ist. Es gibt, man glaubt es kaum, viel Widerstand gegen das Gute. Nicht weil man gegen das Gute ist, sondern weil die eigenen Interessen vielen noch wichtiger sind. Erst kommt, was mir wichtig ist, sagen viele, dann kommt das Gute. So wird manches eher schlecht. Haltung heißt auch, nicht nur auf meine, sondern auch auf andere Interessen zu blicken. Dann haben das Gute, die guten Worte, die größten Möglichkeiten zu wachsen.
Wer das Gleichnis nach lesen möchte: es steht bei Lukas im 8. Kapitel, die Verse 4-15!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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06.02.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
mit leuchtenden Augen sitzen sie im Kreis vor mir; voller Erwartung und Spannung. Welche Geschichte wohl heute auf sie wartet? Ich liebe es Geschichten zu erzählen und die Reaktionen in den Gesichtern der Kinder zu sehen, wie sie mitfiebern, erstaunt sind und manchmal auch empört sind. In der Schule ist meine Frage im Anschluss nach jeder Geschichte: „Welches war dein liebstes Bild in der Geschichte?“ Und dann schießen die Finger schon nach oben, jeder und jede hat ein Bild, das ihm und ihr am liebsten war.
Wer hört nicht gern Geschichten? Auch wir selbst erzählen uns in Geschichten, wenn wir nach Hause kommen und uns von unserem Tag erzählen. Dabei entdecke ich mich selbst in den Geschichten der anderen, ziehe Parallelen oder schüttele verwirrt den Kopf. Geschichten berühren mich. Und immer wieder bin ich begeistert, dass diese alten biblischen Geschichten aktuell sind und etwas anders erzählt ins heute versetzt werden können. Wir alle kennen Geschichten über Neid, Wut, Hoffnung, Nächstenliebe, und mehr – Geschichten mitten aus dem Leben gegriffen – Geschichten, die die Bibel erzählt.
Gespannt warte ich dann immer und höre zu, wenn die Kinder mir erzählen, wo sie sich ähnlich gefühlt haben, wie die Personen in der gerade erlebten Geschichte.
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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30.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
„ Ach wissen Sie Herr Pfarrer, ich bin zufrieden“, sagte die alte Dame bei meinem Besuch anlässlich ihres Geburtstages. „Ich habe so vieles in meinem Leben erlebt. Fröhliche und schweren Stunden. Und nun im hohen Alter… Nicht immer ist es leicht, aber ich bin zufrieden!“ Und dabei lächelte sie mich an.
Und ich dachte bei mir: Sie ist mit sich „in Frieden“. Einen besseren Zustand kann es eigentlich nicht geben. Ein Mensch, der nicht mit sich und seinem Geschick hadert; ein Mensch der nicht klagt und jammert oder gar verbittert ist. Sie versucht mit dem zu leben was ist. Und ich spürte – sie lebt auch nicht „einfach so“, sondern lebt mit sich und dem Geschick „in Frieden“. Muss das nicht herrlich sein?
Auf dem Weg nach Hause fiel mir der Simeon im Evangelium des Lukas ein. Das war auch solch ein Mensch. Wir wissen wenig von ihm, außer dass sich ihm ein großer Lebenswunsch erfüllt hat. Dann sagt er im Gebet zu Gott (Lukas 2,29): Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren. Was so viel heißt wie: Ich bin im Reinen mit dir und meinem Leben. Du, Gott, kannst mich zu dir nehmen.
So weit muss es jetzt ja nicht kommen, um mit sich in Frieden zu sein. Das geht nicht erst vor dem Tod, das geht auch schon zu Lebzeiten.
Der alte Simeon hat lange auf die Erfüllung seines Wunsches gewartet. Er, der fromme Jude, wollte unbedingt den versprochenen Erlöser sehen. Er wartet schon Jahre auf ihn im Tempel zu Jerusalem. Dahin müssen die Eltern des Erlösers kommen, 40 Tage nach der Geburt ihres Kindes. Der Glaube erwartet von den Eltern, dass sie Gott für das Kind danken und ihm das Kind „darbringen“. Der 40. Tag nach der Geburt Jesu ist immer der 2. Februar, das Fest „Lichtmess“. Der alte Simeon im Tempel, der so lange gewartet hat, sieht nun den Heiland und preist ihn als ein Licht der Welt. Nun ist Simeon in Frieden mit sich. Seine Augen haben gesehen, was sie sehen wollten.
Wer krank ist im Leben oder Schweres tragen muss(te) hat es nicht so leicht mit dem Frieden. Krankheit oder Schicksalsschläge sind eine Störung der Ordnung, so empfinden wir es oft. Menschen geraten durcheinander, die alltägliche Ordnung gerät in Unordnung. Das ist schlimm. Wie kann man da Frieden finden?
Nur durch Vertrauen, glaube ich. Vertrauen ist manchmal, als würde ich mich Gott in die Arme werfen müssen. Ich erkenne keinen Sinn, ich habe Angst, ich empfinde die Unordnung im Leben – und kann doch nichts tun. Außer einem: mich Gott in die Arme werfen und hoffen, dass er mir nichts Böses will. Das ist Vertrauen: hoffen, dass ich geführt werde, auch wenn ich es nicht sehen, nicht erkennen kann, hoffen, dass mich Menschen und meine Familie und Freunde in dieser Zeit der Ungewissheit ein wenig stützen und tragen – und Gott mein Gott ist, dem ich mich anbefehle wie der alte Simeon, der immer wieder hoffte, dass Gott ihn führt.
Manchmal müssen wir vertrauen. Wir sind nie hilflos, auch wenn es so aussieht. Vertrauen ist dann unsere Hilfe. Es gibt Zeiten, da können wir buchstäblich nichts tun. Aber das eine können wir, immer: Gott und Menschen zutrauen, dass sie es gut mit uns meinen.
Mit Maria Lichtmess endet nun die Weihnachtszeit, aber SEIN Versprechen geht mit und gilt für alle Zeit: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus…“! Und Jesus sagt zu uns: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Und damit lässt es sich im Frieden leben!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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23.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
ein Zauber – der Fotograf Mehmet Gençe fotografiert Frauen, meist aus abgelegenen Gegenden der Welt, und zaubert dabei. Die Portraits zeigen junge und alte Gesichter, die nicht im klassischen Sinne „schön“ sind. Die Haut faltig, die Augen zusammengekniffen, das Haar fahl. Das Leben hat tiefe Linien in die Gesichter gegraben und trotzdem strahlt jede eine beeindruckende Würde aus.
Und dann kommt der Zauber: „Du bist schön!“ sagt Mehmet Gençe den Frauen und macht im selben Moment ein Foto. Die Frauen erblühen und das Ergebnis ist hinreißend. Es ist offensichtlich: Der Satz „Du bist schön“ verändert etwas. Er macht Menschen schön.
„Du bist schön“ – dieses Kompliment sagt auch Gott zu jedem einzelnen von uns. Du bist schön und wertvoll, egal welche Falten das Leben in unser Gesicht und unsere Seele gezeichnet hat. Wir dürfen uns darüber freuen, strahlen, daraus Mut schöpfen. Und bei Gelegenheit können wir ihn weitersagen und sehen, dass sich etwas verändert.
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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16.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser!
Ein neues Jahr hat begonnen. Das Jahr 2020 nach Christi Geburt. Oder sollte ich vielleicht besser sagen: das Jahr 2020 „unserer Zeitrechnung“, abgekürzt u.Z.? Auf diese Formulierung stoße ich nämlich in letzter Zeit öfter. Ich finde sie in Zeitungsartikeln, vermehrt aber auch in Büchern. Da wird der christliche Bezug bewusst vermieden. Übrigens nicht die einzige sprachliche Veränderung, die gegenwärtig um sich greift. Da wird aus dem Martinsfest im November ein Sonne-Mond-und-Sterne-Fest und Weihnachtsmärkte heißen plötzlich Wintermärkte.
Unsere Sprache ist immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Viele Menschen halten den christlichen Glauben heute für erledigt. Ich nicht. Das heißt nicht, dass ich mir meines Glaubens immer ganz sicher wäre. Ich habe ihn nicht in der Tasche und bin zu keinem Zeitpunkt vor Zweifeln gefeit.
Die Jahreslosung bringt es auf den Punkt. Sie ist einer Szene aus dem Markusevangelium entnommen und lautet: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Der nähere Zusammenhang ist rasch erzählt. Der Vater eines an Epilepsie erkrankten Jungen bringt sein Kind zu Jesus, weil diesem der Ruf eines Wunderheilers vorauseilt. Vielleicht, so hofft er, wird Jesus gelingen, was auch den besten Ärzten bisher nicht gelungen ist. Vielleicht ist der Mann aus Nazareth ja wirklich von Gott gesandt. Aber sicher ist sich der Vater nicht. Und so sagt er, hin- und hergerissen zwischen Vertrauen und Zweifel: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“
Zweierlei finde ich an dem Vater bemerkenswert. Da ist zum einen die innige Liebe zu seinem kranken Kind. Nichts wünscht er sehnlicher, als dass der Junge gesund wird. Wer unter Ihnen selbst Kinder großgezogen hat, kann seinen Wunsch vermutlich gut nachvollziehen. Aber noch etwas anderes fällt mir auf. Der Vater verbirgt gegenüber Jesus seine Vorbehalte und Zweifel nicht. Er ist grundehrlich und zeigt seine Zerrissenheit. Diese Ehrlichkeit wird von Jesus anerkannt. Am Ende der Geschichte ist das Kind geheilt.
Mich tröstet diese Geschichte. Denn aus ihr lerne ich: Bei Gott sind Zweifel erlaubt. Ich muss mich vor Gott nicht stärker geben, als ich tatsächlich bin. Ich darf zu meinen Zweifeln und meiner inneren Armut stehen, wann immer mir die Last des Lebens zu schaffen macht und mich an meine persönlichen Grenzen bringt.
Erledigt, wie manche Zeitgenossen behaupten, ist der christliche Glaube keineswegs. Aber einfach zu haben und zu bewahren ist er auch nicht. Der bedeutende katholische Theologe Karl Rahner (1904–1984) hat einmal gesagt: „Glauben heißt: die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.“ Die Kraft dazu aber bringe ich nur dann auf, wenn ich Gott immer wieder um Hilfe und Stärkung im Glauben bitte. Und um die Kraft bitte, ihm zu vertrauen. Das gilt auch im neuen Jahr. Und darum begehe ich dieses Jahr ganz bewusst als das Jahr 2020 nach Christi Geburt.
In diesen Tagen bzw. am kommenden Dienstag gedenken wir des Bombenabwurfes auf Kleinostheim vor 75 Jahren. So wie es wichtig ist sich seines Glaubens zu erinnern, um daraus Kraft für das Leben zu schöpfen, so ist es auch wichtig sich an solche Ereignisse zu erinnern, auch wenn sie weit weg erscheinen. Erinnerung hat sich nicht erledigt, denn sie öffnet die Augen für die Gegenwart, um achtsam zu sein für die Gefährdungen des Lebens.
Aus diesem Grund erinnern wir uns am 21. Januar an das, was in Kleinostheim vor 75 Jahren geschah. Wir erinnern an die Opfer, an die Menschen, an die Ursachen. Und daraus möge uns Kraft und Vertrauen für die Gegenwart und Zukunft erwachsen.
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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13.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
am Beginn eines neuen Jahres liegen so manche Wege noch unberührt und unbelastet vor uns. Kreuzungen können neu markiert werden und Abzweige selbst bestimmt werden. Aber was kommt dann? Was befindet sich hinter den Kurven, die wir nicht einsehen können? Bei aller Neugier auf das Neue, ist da doch auch so manche Skepsis und vielleicht auch mulmiges Bauchgefühl dabei.
Von Bernhard von Clairvaux, einem mittelalterlichen Mönch, sind folgende Zeilen überliefert: Der Herr zieht mit! Er ist schon da! Der dich getragen, geprägt, geführt und befreit hat. Er ist schon dort. Geh mit ihm. Erfahr ihn, wie du es nie geglaubt hast. Er ist schon dort. Der dich in Ungeahntes, Neues führt. Er ist schon dort. Geh – du bist nicht verlassen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes neues Jahr!
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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