Angedacht 2020

Hier können Sie die Texte des "Angedacht" aus den politischen Mitteilungsblättern nachlesen. Einfach auf die gewünschte Kalenderwoche klicken:

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Kalenderwoche 2

KW21

Liebe Leserin, lieber Leser!
Vor geraumer Zeit fiel mir ein Bild eines Kirchenfensters in der Heidelberger Providenzkirche in die Hände.Je länger ich es betrachtete, kam bei mir die Frage auf: „Geht er oder kommt er?“ Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten.
Was sehen wir? Der segnende Christus auf einer Wolke. Ist es der Christus, der – wie es beim Evangelisten Lukas heißt – die Hände hebt und die Menschen segnet? „Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel“ (Lukas 24,50-51)? Oder ist es der Christus, von dem ebenfalls Lukas schreibt: „Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (Lukas 21,27)?
Vielleicht aber hat der Künstler – wahrscheinlich aus der Werkstatt von Heinrich Beiler d. Ä. in der Mitte des 19. Jahrhunderts – diese Frage ganz bewusst in seiner Gestaltung offen gelassen? Weil sie für den Glaubenden gar nicht so wichtig ist? Hatte nicht Christus den Seinen und somit auch uns versprochen immer bei uns zu sein bis zum Ende der Welt! (Matthäus 28, 20b). Das heißt doch, dass Christus trotz seiner Himmelfahrt bei uns ist. Das machen schon die Evangelisten deutlich. Bei ihnen ist die Himmelfahrt Christi der Abschluss des Evangeliums – aber keine Endstation, sondern Zwischenstation. Weil ihre Evangelien mit einem Auftrag Jesu enden, der weit in die Zukunft greift, bis hinein in unsere Gegenwart und darüber hinaus: Geht hinaus zu allen Menschen! Und wir gehen nicht allein. Weil der Auferstandene zum Himmel erhoben wird, um dann wieder im Heiligen Geist zu allen Menschen auf die Erde zu kommen. Zuerst musste er von einem konkreten Ort und einer konkreten Zeit Abschied nehmen, damit wir ihn zu allen Zeiten und an allen Orten erfahren können. Und weil Christus nach seiner Himmelfahrt im Heiligen Geist wieder auf die Erde kommt, bringt er den Himmel mit. Denn Gott ist nicht da, wo der Himmel ist, sondern der Himmel ist da, wo Gott ist.
Und was ist dann mit seiner Wiederkunft? Ich weiß nicht, wie sie aussehen wird, doch ich glaube daran, dass dann zur Vollendung kommt, was Christus im Heiligen Geist schon jetzt mitten unter uns begonnen hat und immer wieder neu beginnt.
Ihnen allen einen gesegneten Himmelfahrtstag, auch ohne die gewohnten Gottesdienste im Freien!
Ihr/euer Pfarrer Thomas Abel

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KW 20

Liebe Leserin, lieber Leser,
vielleicht tun wir es gerade in dieser Situation öfter. Sicherlich haben es fast alle schon einmal getan – ob regelmäßig oder selten, heimlich oder öffentlich. Leider mag kaum noch jemand darüber reden: über das Beten.
Was ist Beten eigentlich? Für mich ist es die erste und die letzte Möglichkeit des Glaubens. Wenn mir sonst nichts mehr einfällt, bleibt mir immer noch dieser Weg. Beten ist Rufen, Lachen, Danken, Weinen, Schimpfen, Zweifeln, Flehen, je nach meinen Umständen. Für mich ist auch immer wieder beruhigend am Beten, dass Beten eine uralte Handlung ist. Gerade die Psalmen zeichnen genaue Bilder von den verschiedenen Anliegen der Menschheit, in welchen auch ich mich wiederfinde. Beten schärft meine Aufmerksamkeit für meine Situation und ich spüre, ich bin damit nicht allen. So öffnet Beten den Himmel und bringt gleichzeitig die Erde nahe. Oder wie jemand mal gesagt hat: „Wenn du die Hände faltest, umarmst du die ganze Welt.“
Ihre/eure Pfarrerin Katharina Wagner

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14.05.2020

Liebe Leserin, lieber Leser!
Ab Sonntag dürfen wir wieder Gottesdienste feiern! Ich freue mich darauf! Aber die wenigen Stühle, die großen Abstände und vor allem der stark eingeschränkte Gesang stimmen mich ein wenig traurig.
Denn der Sonntag trägt den Namen „Kantate“ – „Singet“. Es wird ein wenig traurig wirken, so ein Gottesdienst ohne großen Gesang…
Und was ist in unseren Kirchen nicht schon alles gesungen worden! Wie sehr haben Menschen ihr Leben in die Lieder gegeben. Lieder, die sie nicht selbst komponiert haben. Worte, die sie sich nicht selbst ausgedacht haben. Fremde Lieder können ein Schutz sein. Menschen fliehen da hinein und finden sich darin wieder. Sie finden Schutz in frommen Liedern, auch wenn sie selbst nicht wissen, ob sie sich überhaupt in Gottes Hand befinden.
Heinrich Heine (1797–1856) hat ein schönes Gedicht dazu geschrieben, es heißt „Heimkehr“:
In mein gar zu dunkles Leben / Strahlte einst ein süßes Bild;
Nun das süße Bild erblichen, / Bin ich gänzlich nachtumhüllt.
Wenn die Kinder sind im Dunkeln / Wird beklommen ihr Gemüt,
Und um ihre Angst zu bannen, / Singen sie ein lautes Lied.
Ich, ein tolles Kind, ich singe / Jetzo in der Dunkelheit;
Klingt das Lied auch nicht ergötzlich, / Hat‘s mich doch von Angst befreit.

Ein Lied, das von Angst befreit. Ein professioneller Sänger beleuchtet das, was er singt, von innen. Erst dann gelingt es ihm, wirklich Musik zu machen. Wieviel mehr muss das für unsere Kirchenlieder gelten. Wer singt, wird von innen beleuchtet. Da ist mehr als nur das Notenbild oder die Kompositionsstruktur in unseren Liedern. Wer singt, beleuchtet den Text von innen und wer Kirchenlieder singt, wird selbst von innen beleuchtet, jetzo, in der Dunkelheit. Gerade bei uns wortlastigen Protestanten ist das gut zu wissen. Es ist etwas an unseren alten Liedern, das über den einzelnen Menschen hinausgeht, etwas, das einen heil macht und „von Angst befreit“.
Ich sehe die Menschen in Italien, wie sie an den Fenstern und Balkonen stehen und mitten in der Krise singen und musizieren. Ich erinnere mich an die Gesänge in unseren Gärten, das Musizieren auch bei uns – gegen die Krise (Der Mond ist aufgegangen; die Ode an die Freude…).
Singen befreit von Ängsten und Sorgen. Ich kann singen, egal ob ich fröhlich oder traurig bin. Ich kann singen in Moll oder Dur… und kann dabei aus dem reichen Schatz der Lieder schöpfen, die uns überliefert sind.
Neue Lieder sind auch schön. Aber es ist noch unklar, ob sie im Dunklen helfen. Bei alten Liedern ist das anders. Ich singe sie und bin verbunden mit Menschen, die vor mir da waren. Immer wenn ich das schöne Maienlied singe (Wie lieblich ist der Maien), denke ich an meine Großmutter. Sie hatte viel erlebt und durchgemacht in ihrem Leben. Dieses Lied war ihr Lieblingslied – ein Lied voller Freude und Hoffnung! All die Menschen mit ihren „alten“ Liedern haben ihre Dunkelheit längst hinter sich. Während ich mich frage, ob es überhaupt was bringt, von Gott zu singen, wenn mir einfach nicht zum Jubeln ist, haben meine Glaubensväter und -mütter schon einen helleren Raum betreten. Man sagt, ihre Lieder seien wie Mäntel, in die sich die Früheren eingehüllt haben, um warm und trocken zu bleiben, während ich noch im Regen stehe.
Ich darf mir Hoffnungslieder der Alten leihen, so wie ich mir die Texte der Bibel leihe. Ich muss mein Heil nicht selbst erfinden. Das klingt vielleicht unzeitgemäß in einer Gesellschaft, die sagt: Du musst dein eigenes Lied singen, finde dein Lied und singe es! Nein, keiner von uns muss nur er oder sie selber sein, immer wieder von vorne, immer wieder von Null an. Keiner von uns singt nur sein eigenes Lied, wir alle stimmen ein in einen größeren Gesang. Jeder und jede von uns kann den angegebenen Ton aufnehmen und weitersingen. Klingt das Lied auch nicht ergötzlich, / Hat‘s mich doch von Angst befreit. Das ist nämlich Kirche: Einstimmen in einen großen Klang, einen Gesang, der das Leben preist – auch und gerade im Angesicht schwieriger Zeiten!
Bleiben Sie alle Gott befohlen und gesund!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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07.05.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
alles ist anders zurzeit: Ostern war so ganz anders wie die letzten Jahre, Schule daheim – so ganz anders wie gewohnt – und jetzt beim Einkaufen nur noch Gesichter mit Masken. Der unsichtbare Virus verändert unser Leben und zwingt uns dazu Feste und Feiern zu verschieben. So wie unsere Konfirmationen. Eigentlich hätten wir an diesen Wochenenden in Mainaschaff Konfirmation gefeiert – aber dieses Jahr ist alles anders.
Mich ärgert das ganz schön, aber die Gegebenheiten lassen nichts Anderes zu, so gern ich es auch möchte. Es fällt mir schwer, dass ich daran nichts ändern kann. In solchen Momenten lerne ich mit den bekannten Worten aus dem Predigerbuch: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Bei all dem was ich nicht ändern kann, hat für mich gerade jede Woche das Suchen seine Zeit. Das Suchen danach, wie man mit den Abstandsregeln umgehen kann. Wie man Nähe anders zeigen kann. Wie man diese Zeit dennoch gestalten kann.
Schön, dass zumindest ab nächster Woche Gottesdienste wieder ihre Zeit haben, wenn diese auch anders als gewohnt gefeiert werden müssen.
Ich wünsche Euch/Ihnen ein schönes erstes Mai Wochenende, wenn auch anders als gewohnt.
Pfarrerin Katharina Wagner

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23.04.2020

Liebe Leserin, lieber Leser!
Der kommende Sonntag trägt den Namen „Misericordias Domini“ – „Der gute Hirte“. Ein altes und vertrautes Bild in der Kirche.
Es gibt wohl kaum ein Gottesbild, das Menschen so anrühren kann wie das vom „guten Hirten“. Zugegeben nicht allen gefällt das Bild und die Vorstellung, nicht mehr als ein Schaf zu sein. Diese Menschen wären lieber „auf Augenhöhe“ mit Gott oder Jesus. Ich kann das durchaus verstehen. Aber es ist nicht so; es kann auch so nicht sein. Niemand wird je mit Gott auf Augenhöhe sein. Wir erfahren das auch, wenn unsere Pläne, Wünsche und Gebete sich nicht erfüllen. Wir haben Gott nichts vorzuschreiben. Wir können immer auf ihn hoffen, aber erwarten können wir nichts.
Auch wenn manche das Bild vom Schaf nicht mögen, oder weil es einfach zu fremd geworden ist stimmt ja, was der Verfasser des 1. Petrusbrief im 2. Kapitel schreibt:
Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;
22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;
23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;
24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
Ja, oft genug sind wir irrend. Oft wissen wir nicht, wie es weitergehen könnte. Dann ist es gut zu wissen, worauf wir hoffen können. Gerade das spiegelt unsere jetzige Situation in der wir leben wieder.
Auf Gott können wir hoffen; auf Gott, der wie ein guter Hirte ist. Das hatten die Menschen damals auch nötig, die in der Gemeinde lebten, der Petrus hier schreibt. Wir wissen heute nicht mehr genau, ob es wirklich der Petrus ist, der hier schreibt – oder womöglich einer seiner Freunde, der sich des berühmten Namens bedient. Das ist auch nicht wichtig.
Viel wichtiger ist es zu wissen, wie angefochten die Christinnen und Christen damals waren. Sie waren eher einfache Leute, die sich beruflich und mit ihrem Glauben behaupten mussten gegenüber einer fremden und manchmal auch feindlichen Welt. Es bereitet keine Freude, den eigenen Glauben immer verteidigen zu müssen gegenüber spottenden Mitmenschen. Es gibt auch so etwas wie ein Glaubensmobbing, ein spöttelndes und hämisch lächelndes: ‚Das bringt doch nichts‘. Geändert hat sich daran leider nicht viel. Daran musste ich denken, als ich gefragt wurde warum wir jetzt jeden Abend läuten und eine Kerze ins Fenster stellen. „Ach, das hilft doch auch nicht!“
Petrus gibt sich redlich Mühe, seine Christinnen und Christen zu stärken und zu erbauen, wenn er schreibt: „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“ Das ist sehr tröstlich gemeint. Es bedeutet ja, dass wir uns unserer Wunden nicht schämen müssen; auch des Spotts nicht, der uns manchmal trifft. Wir gehen nicht in die Irre, wenn wir beten und auf Gott hoffen. Wir verstehen längst nicht alle Wege, auf die uns der Hirte führt, aber wir tragen sie in Geduld und Tapferkeit. Weil wir darauf vertrauen: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.
Dieser Psalm hält und trägt gerade auch in diesen Tagen, Wochen und Monaten…
Bleiben Sie alle Gott befohlen und gesund!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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16.04.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

kurz vor Ostern schrieb Susanne Niemeyer in ihrem Blog Lichtblick von Chrismon folgende Zeilen:

Ob Ostern wird, fragst du ängstlich,
und ich sage, natürlich wird Ostern.

Aber wer singt die Lieder,
wer bringt das Licht herein?
Wer steht auf, früh vor der Sonne,
wer segnet die Angst,
wer himmelt die Erde?

Du, sage ich, und ich.

Und die anderen
an ihren Küchentischen,
zwischen Legosteinen
und beim Melken der Kuh.
Bei der ersten Schicht in der Tankstelle,
nach unruhigem Traum im Krankenbett,
mit müden Augen am Taxistand.
Im Pausenraum morgens um vier,
zwischen Narzissen und Windrosen,
woimmer und überall.

Auch mich trieb diese Frage um. Und Ostern wurde. Denn Ostern ist nicht abhängig von äußeren Umständen, sondern Ostern geschieht - hier und dort - heute und morgen. Vielen Dank für euer Ostern, für die Hoffnungsworte und Ostergrüße am Baum.
Eure Pfarrerin Katharina Wagner

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09.04.2020

Liebe Leserin, lieber Leser!
Heute möchte ich Ihnen von der Hoffnung erzählen. Wie sie verloren gehen kann. Und dann wiederkommt.
Auferstehung ist schön. Paulus schreibt sogar: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich; so ist auch euer Glaube vergeblich.“ (1. Kor 15,14)
Ohne Ostern kein Glaube, keine Hoffnung. Davon möchte ich jetzt erzählen. Diese wunderschöne Andacht/Erzählung, die von der Hoffnung im Leben erzählt; wie sie verloren geht; und wie sie wiederkommt, fand ich vor kurzem von Michael Becker.
Ich wünsche Ihnen allen mit diesen sehr ergreifenden Worten ein gesegnetes Osterfest und viel Hoffnung, gerade in diesen Zeiten!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

Ich erzähle Ihnen von Oma Rosi und was sie vor Jahren erlebt hat.
Oma Rosi heißt nur Oma, ist aber gar keine. Sie hat weder Kinder noch Enkel, ist aber zufrieden mit sich. Sie wohnt ganz oben im Hochhaus und hat einen herrlichen Blick über die Stadt. Seit dreißig Jahren wohnt Oma Rosi dort. So lange ist sie auch Witwe. Das war entsetzlich damals, sagt sie. Plötzlich war sie allein. Hatte nur noch sein Grab. Und unendliche Trauer. Jeden Tag ging sie zur Arbeit, anschließend zum Friedhof. Bald hatte sie keine Tränen mehr, das Leben lebte sich wie ein Uhrwerk. Als lebte sie neben sich her. Monate ging das so. Dann ist Ostern. Und Oma Rosi geht zur Kirche.
Dort hört sie etwas, was sie ärgert. Viel kriegt sie nicht mit in diesem Gottesdienst. Aber doch den Satz, der ihr weh tut. Wenn Gott einen Toten auferwecken kann, sagt die Pfarrerin, dann ist nichts ohne Hoffnung; nichts auf der Welt, noch nicht einmal ein Grab. Doch, sagt Oma Rosi im Stillen und ärgert sich. Am Ausgang der Kirche ärgert sie sich immer noch, gibt der Pfarrerin nur flüchtig die Hand. Ich habe keine Hoffnung, sagt sich Oma Rosi. Und geht zum Friedhof. Wie fast jeden Tag.
Manchmal spielen da Kinder. Einmal kommt ein Junge zu ihr. Der wohnt im gleichen Hochhaus und ist mit dem Papa auf dem Friedhof. Seine Mama ist gestorben, vor drei Jahren schon. Der Junge guckt Rosi von der Seite an, Rosi guckt zurück. Dann reden sie ein paar Worte. Eine Woche später reden sie wieder, ein paar Worte mehr. Und treffen sich auch im Hausflur. Oma Rosi schenkt ihm Schokolade, die sie eigentlich für sich gekauft hatte. Der Junge sagt Danke, geht aber nicht weg. Beide stehen nur da und sagen nichts. Auf einmal fragt der Junge: Soll ich dir mal mein Zimmer zeigen? Ja, gerne, sagt Oma Rosi und wird ein bisschen rot. Und weiß gar nicht, warum sie sich freut. Als sie den Jungen besucht, bringt sein Papa Kaffee und Plätzchen. Der Junge führt seine Rennbahn vor, alle müssen lachen. Sie vergessen den Friedhof. Oma Rosi gewinnt sogar ein Rennen. Und etwas Hoffnung.
So fing alles an, damals, denkt Oma Rosi heute. Hoffnung kann so klein sein. Der Junge ist heute längst groß und hat eigene Kinder. Drei Mädchen. Die sagen auch Oma zu ihr.
Hoffnung ist der Mensch, den ich suche; der mich findet. Hoffnung kann man verlieren. Wer wüsste das nicht. Hoffnung kann man aber auch finden oder bekommen. An Orten, an denen man es nicht erwartet. Der kleine Moment, in dem man gebraucht wird, plötzlich. Der Augenblick, in dem eine nicht weggeht. Eine Bitte hat. Hoffnung heißt: In der Welt der Angst und Traurigkeit ist auch eine Welt, in der man sich umeinander sorgt. Einander zum Lachen bringt. Sogar Fremde tun das einander.
Menschen brauchen einander. Wer das spürt, weiß, woher die Hoffnung kommt. Aus unserem Wunsch, nicht alleine zu sein, dazu zu gehören. Und nicht zu warten, bis einer kommt. Lieber auch mal selber gehen.
Hoffnung gibt es, weil Gott dafür sorgt. Und wir das in die Hand nehmen. Wenn wir wollen. Oma Rosi wollte. Sie sah das Licht und nutzte es. (M. Becker)

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02.04.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
entweder war es zu kurz oder in einem unentwirrbaren Salat verstrickt und man konnte sich selten in eine ungestörte Ecke verziehen. Ohne Kabel ging nichts, keine Verbindung, kein Internet. Dann kam das W-LAN – eine kabellose Verbindung. Ungewohnt. Am Anfang höchst skeptisch betrachtet. Störanfällig bis heute. Aber doch unglaublich praktisch. Egal, wo ich bin – ich bin mittendrin.
Ich fühle mich gerade ein bisschen wie damals: verwirrt durch die neue Art der Verbindung und zugleich erahne ich neue Möglichkeiten. Ich vermisse das Alte – den spürbaren körperlichen Kontakt. Das Reden face to face. Aber ich experimentiere auch, probiere Sachen aus, für die ich vorher keine Notwendigkeit sah. Und ich stelle fest: es funktioniert. Es ist anders als vorher. Es ist störanfällig. Es ist sicherlich kein vollwertiger Ersatz. Aber es ist eine Alternative mit der wir einander wahrnehmen und verbunden sind. Online.
Mitten in all den Störungen, der Unsicherheit und aller Ungewissheit - mitten in Trübsal und trotz aller bösen Zeit – sind wir verbunden, erforschen neue Möglichkeiten und zeigen soziale Nähe. Manchmal ist es nicht ganz so einfach diese Nähe zu spüren. Genauso muss es den Jüngern ergangen sein. Jesus, der immer an ihrer Seite war, war plötzlich weg. Die Verbindung schien abgerissen, das Kabel durchgeschnitten. Aber Ostern zeigt uns – seine Verbindung zu uns besteht! Nicht sichtbar, aber doch spürbar.
Ich wünsche Ihnen/Euch eine gesegnete Karwoche, in der Zuversicht, dass die Verbindung zu Gott bleibt.
Pfarrerin Katharina Wagner

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26.03.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
in meiner Kindheit war die Passions-Zeit eine ruhige Zeit. Tanzveranstaltungen und andere Vergnügungen fanden nicht statt, waren verboten. Man ging am Mittwoch Abend in die Passionsandacht. Das Leben war heruntergefahren, die Hektik – die es damals auf einem Dorf sowieso nicht so gab wie heute – war noch einmal gedämpft. Ostern erlebten wir dann tatsächlich körperlich und gesellschaftlich als ein Fest des neuen Lebens. Als Auferstehung, als Feier, als Gewinn, als gesellschaftlichen Aufbruch in die Zukunft des vor uns liegenden Jahres.
Heute verordnet uns ein Virus eine solche Passionszeit. Und ich hoffe sehr, dass wir das nicht nur als enorme Einschränkung empfinden. Sehen wir doch die Chancen mit. Wir werden merken, dass es mit weniger auch geht. Wir erleben jetzt schon eine große und starke Solidarität von vielen vernünftigen und guten Menschen und sehen  ein riesiges Humankapital, auch wenn der Gewinn etwas einbricht. Wir erleben einen Staat, der sein Sozialkapital auspackt und hilft, Bürokratie herunterfährt und alle Schichten berücksichtigt. Gut – Einzelne werden das nicht begreifen, Dummheit stirbt nicht, wie ein Virus nach der Krankheit. Aber ehrlich: Auf die kommt es nicht an. Die Gesellschaft ist stark und tragfähig, und das zeigt sich gerade.
Nein, der Virus und die damit auftretenden Folgen, das ist nicht gut. Aber es kann uns helfen andere Dinge wieder in den Blick zu nehmen: Familie spielt wieder miteinander, 66 und Mensch ärgere Dich nicht, weil man sonst die Zeit gar nicht herumbringt. Nachbarschaftshilfe entpuppt sich als starke soziale Säule. Das Wirtschaftssystem kommt auf den Prüfstand: Was ist wichtig, dass wir es selbst und bei uns produzieren? Wovor schützt uns Kapital? Wie wichtig sind gute Wohnverhältnisse? ….
Ich will auch überhaupt nicht behaupten, dass Gott dieses Virus geschickt hat. Aber er kann auch die Nachlässigkeit im Umgang mit einem Virus benutzen um uns zum nachdenken zu bringen. Ja, alles, was wir jetzt begreifen können ist nicht neu. Es wird von der Religion schon immer vorgetragen: Schaut welche Werte wirklich wichtig sind. Menschlichkeit ist wichtiger als Materialismus. Gerechtigkeit gibt es nur für alle oder eben nicht. Liebe Deinen Nächsten und vergiss Dich selbst nicht darüber. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die weder zu begreifen noch zu beherrschen sind. Es gibt eine Lebenskraft – nenn sie wie Du willst – die als Prinzip hinter allem steht. Wir sagen Gott dazu. Diese zu verachten führt zum Untergang.
Alles nicht neu. Alles in der Bibel und im Koran und im Sanskrit und sonstigen Heiligen Schriften schon durchgedacht. Dazu braucht es auch keinen Fundamentalismus. Der gesunde Menschenverstand genügt.
Vielleicht ist es doch nicht so blöd auch ohne Coronavirus über das Leben nachzudenken. An jedem Sonntag ist Gottesdienst. Da geschieht das. Und es stabilisiert Menschen und Gesellschaft und weltweites Zusammenleben jenseits von Parteien und Macht und Geld. Und weil Gott die verbindende Macht ist, kommt Gerechtigkeit für alle raus.
Joachim Pennig

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19.03.2020

Kanzelabkündigung des Landesbischofs für Sonntag 15. März 2020
Mit der Bitte, in der aktuellen Situation nicht aus Angst, sondern aus dem Vertrauen zu leben, wendet sich der bayerische evangelische Landesbischof an alle evangelischen Christen in Bayern. In einer Kanzelabkündigung, die am Sonntag in allen Kirchengemeinden verlesen wurde, schreibt der Bischof:
„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2.Timotheus 1,7). Liebe und Besonnenheit – was heißt das für unser Handeln gegen die Ausbreitung des Coronavirus?
Viele von uns müssen gegenwärtig schwierige und teilweise schmerzliche Entscheidungen treffen. Welche Veranstaltungen können stattfinden? Welche müssen wir absagen? Wieviel Vorsicht ist in unseren persönlichen Beziehungen im Umgang mit andren Menschen geboten? Können wir überhaupt noch jemanden körperlich berühren? Und gerade wenn es auch um andere Menschen geht: Wie können wir das richtige Maß zwischen zuversichtlicher Gelassenheit und Leichtsinn finden?
Sie haben es vermutlich in der Presse gelesen: wir haben die konstituierende Tagung der neuen Landessynode vom 22.-26. März in Bayreuth schweren Herzens bis auf weiteres verschoben. Mit dieser Entscheidung beteiligen wir uns an den allgemeinen Präventionsbemühungen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus. Auch andere kirchliche Veranstaltungen und große Gottesdienste müssen abgesagt werden. Auch bei Ihnen in den Gemeinden werden die damit verbundenen schwierigen Abwägungen zu treffen sein.
Auch in unserem persönlichen Verhalten brauchen wir die Kraft, Liebe und Besonnenheit, von der Paulus spricht. Die Liebe drängt nach der Umarmung oder zumindest dem Handschlag. Die Besonnenheit lässt uns das freundliche Zunicken vorziehen – oder auch den Stups mit dem Ellenbogen als neue Form der Begrüßung.
Die Liebe zeigt uns aber ganz bestimmt den richtigen Weg. Die Liebe sagt: Rücksicht auf andere ist wichtiger als die eigene Gelassenheit.
Wenn wir jetzt unerwartet mehr Zeit haben durch abgesagte Veranstaltungen oder weil wir zuhause bleiben müssen, dann können wir sie nutzen für Besinnung, Gebet, Psalmenmeditation, Auftanken und Gemeinschaft mit lieben Menschen.
Wir denken an die Menschen, die gesundheitlich mit den Folgen des Virus kämpfen. Wir denken auch an die Menschen, die spürbar unter den wirtschaftlichen Konsequenzen des Virus zu leiden haben. Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Geschäftsleute bangen um das wirtschaftliche Überleben.
Für sie alle und für uns selbst wollen wir beten: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Als Christen leben wir nicht aus der Angst, sondern aus dem Vertrauen. Bei allem was jetzt an Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen ist, wissen wir: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Das ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun, um Gefahren für die Zukunft zu vermeiden und gleichzeitig tief in der Seele zu spüren: Gott ist bei uns jeden Tag. Auf ihn vertrauen wir, egal, was kommt.
Landesbischof Bedford-Strohm

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12.03.2020

Liebe Leserin, lieber Leser und liebe Firmlinge aus St. Laurentius!
Einst trifft Jesus auf drei Männer. Zwei wollen ihm nachfolgen, einen anderen ruft er in die Nachfolge. Es bleibt aber offen, ob sie Nachfolger werden. Denn den einen warnt Jesus, die beiden anderen wollen unbedingt noch etwas erledigen. Daraus zieht Jesus die Folgerung: „Niemand, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt für das Reich Gottes.“ So die Übersetzung von Ulrich Wilckens. (s. Lukas 9, 57-62)
Das Bild aus der Landwirtschaft ist in unserer Zeit der Motorpflüge überholt, leuchtet aber dennoch ein. Wer die Hände auf die Pfluggriffe legt und zurückblickt, erzielt krumme Furchen. Ein schlechtes Ergebnis, Ungeschick lässt grüßen.
Aber die Haltung von Jesus wirft Fragen auf. Natürlich wird in der Verkündigung immer wieder zum Glauben aufgerufen. Wie selten aber stößt jemand neu dazu. In unserem Glauben und in unseren Gemeinden ist vieles zur Gewohnheit geworden. Viele scheuen die Einsicht, dass das Leben für Jesu Nachfolger Anforderungen bereithält. Das kann zu Entschuldigungen, Ausreden, Ausflüchten führen. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Auch wir suchen uns das Bequeme aus und machen es uns in der Welt gemütlich. Dann wirken wir nicht einladend und vorbildlich. Wo finden wir noch attraktives Christentum?
Doch geben wir nicht auf in Jesu Nachfolge. Blicken wir nicht zurück auf Enttäuschungen im Glauben und Rückgang in der Kirche. Drängen wir in Gedanken und Taten nach vorne. Machen wir uns klar: Jesus nachzufolgen ist nicht nur ein Weg im Leben, sondern auch ein Weg ins Leben, in Gottes endgültiges Reich. – Aus der Arbeit der Bibelübersetzer stammt das folgende Beispiel. Es ging darum, das Wortbündel glauben, vertrauen, nachfolgen in einen Indianerdialekt in Mexiko zu übersetzen. Die Übersetzer stießen auf ein Wort aus der Sprache der Krieger. Befanden sich die Männer auf dem Kriegspfad, ging der Häuptling voran, bahnte einen Weg durch den Urwald und führte in die richtige Richtung. Der indianische Ausdruck „dicht hinter dem Häuptling gehen“ wurde für Glaube und Nachfolge gewählt. Jesus als Häuptling? Auf jeden Fall als unser Herr. Wie dem auch sei, bleiben wir in der Spur seiner Worte, sind wir nah bei ihm, und er ist nah bei uns.
Diese beidseitige Nähe wünsche ich den Mädchen und Jungen aus St. Laurentius, die an diesem Wochenende ihre Heilige Firmung erhalten. Möge Gottes Kraft euch immer wieder Halt und Zuversicht schenken, damit Ihr in seiner Nachfolge treu bleibt. Ich wünsche Euch Mut, Fantasie und Weitsicht  für euren Glauben und euer Engagement in St. Laurentius und in der Welt! Möge der Glaube uns einen und helfen Gräben zu überwinden – zum Wohle aller Menschen.
Unsere Gebete werden auch Euch begleiten!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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05.03.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
Hornhaut das ist ein Schutz, den uns die Natur mit auf den Weg gibt. Sie wächst unter Druck und Belastung und hält dann Verletzungen von uns fern. An den Füßen oder auch an den Fingern. Gitarristen kennen das: Hornhaut schützt die Fingerkuppen der Greifhand vor dem Druck der dünnen, harten Saiten. Hornhaut auf den Fingerkuppen schützen, bedeutet aber eben auch, dass das Empfinden an den Fingerspitzen nachlässt. Die Fingerspitzen sind hart und rau.
Ich kenne auch das Gefühlt, dass Hornhaut auf der Seele wächst. So schützt sie mich vor manchen Verletzungen von anderen und manchmal brauche ich das auch. Aber ein zu viel kann kalt und hart machen. Manche Dinge kann man dann gar nicht mehr an sich heranlassen und man muss erst eine Schicht dieser Hornhaut wieder abreiben.
Die Passionszeit hat begonnen, vielleicht kann das ein guter Zeitpunkt sein, mal zu überprüfen: Gibt es Stellen in meinem Leben, an denen die Hornhaut zu dick geworden ist?
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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02.03.2020

Liebe Leserin, lieber Leser!
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei…“, so beginnt ein altes Faschingslied, das ich aus meiner Kindheit noch ganz gut im Ohr habe. Ja, am Aschermittwoch ist die ausgelassene Zeit vorbei, mehr aber auch nicht. Nun beginnt eine völlig andere Zeit. Eine Zeit der Ruhe und des Nachdenkens. „Alles hat seine Zeit…“, sagt der Prediger im Alten Testament.
Bei uns in der Evangelischen Kirche beginnt nun die Passionszeit. Passion bedeutet Leiden. In dieser Zeit spüren wir dem Leiden Christi nach. Wir erinnern uns und bedenken seinen Weg nach Jerusalem; bedenken wir, was Jesus für uns auf sich nahm… Passionszeit = Leidenszeit!
„Ich mag dich leiden“, wer kennt diese Worte nicht!
Manchmal weist uns schon unsere Sprache auf tiefere Geheimnisse hin. "Du, ich mag dich gern leiden", sagen Menschen, die einander lieben. Und damit sagen sie etwas Wesentliches über die Liebe - vielleicht sogar ganz unbewusst: Liebe ist mehr als ein angenehmes Gefühl, echte Liebe umfasst auch das Leiden. Das Leiden an und mit dem anderen lässt die Liebe wachsen. Darin besteht für mich das Geheimnis der Passionszeit, der sieben Wochen vor Ostern, in denen das Leiden und Sterben Jesu in den Mittelpunkt rückt. Die Liebe Gottes lässt sich in ihrer Größe nur erahnen, wenn wir das Leiden Gottes an und mit uns Menschen mit einbeziehen.
"Die Kirche müsste mal etwas moderner sein und nicht immerzu von Leiden und Sterben reden" - diese Meinung höre ich des Öfteren. Demgegenüber glaube ich: Wir tun gut daran, nicht nur auf die Sonnenseiten des Lebens zu achten. Unser Leben gewinnt seine Fülle und Schönheit erst dann, wenn wir die Schattenseiten nicht verdrängen. Es gibt keine Liebe ohne Leiden, keine Freude ohne Trauer, kein Leben ohne Abschied. Die Passionszeit bietet die Chance, so dem Leben auf die Spur zu kommen.
Das kann in ganz verschiedener Weise geschehen. Sehr viele üben in der Passionszeit oder Fastenzeit wie sie bei unseren katholischen Schwestern und Brüdern genannt wird Verzicht - sieben Wochen ohne Alkohol oder Zigaretten, ohne Süßes oder ohne Fernsehen. Und dabei lässt sich entdecken: Der Verzicht kann ein Gewinn sein, ein Schritt zu intensiverem Leben. Auch die Gottesdienste in diesen Wochen sind ein Angebot, dem Leben neu auf die Spur zu kommen - in ganz unterschiedlicher Weise.
In den Passionsandachten wollen wir das Leben von Personen aus dem Umfeld von Jesus betrachten, die uns im wörtlichen Sinn einen Spiegel auf unser Leben vorhalten wollen. Wer oder was bin ich? Wo stehe ich in meinem Leben, in dieser Zeit. Wie bekomme ich neue Kraft aus dem Schweren in meinem Leben?
Ich wünsche uns allen, dass wir in diesen Wochen dem Geheimnis des Lebens ein Stück näherkommen.
Ihr und Euer Pfarrer Thomas Abel

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20.02.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
Clowns sind vielleicht zunächst einmal albern, denn sie tragen meist viel zu große Klamotten und stolpern unbeholfen in der Manege herum. Wie oft fällt dabei ein Clown hin. Mancher Sturz ist ein Symbol für die unzähligen Stürze des menschlichen Lebens. Das Scheitern an einer Aufgabe ist doch all zu menschlich.
Das Fallen unter der Last des Lebens ist dabei aber definitiv nicht lustig. Gerade wenn man das Gefühl hat, dass dennoch andere über einem Lachen. Der Clown, er kennt das nur zu gut, aber er steht immer wieder auf und macht weiter. Setzt von Neuem an und lacht sogar über sich selbst manchmal mit.
Ein Lachen macht so manchen Sturz doch etwas leichter. Dazu kommt, dass das Lachen rein wissenschaftlich einfach gesund ist: verbessert es nicht nur die Lungenfunktion, sondern versorgt das Gehirn auch mit einer Sauerstoffdusche und massiert die inneren Organe. Stresshormone werden so abgebaut und Glückshormone freigesetzt. Auch die Bibel weiß um den Wert des Lachens. In den Psalmen wird das Lachen sogar verheißen: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein“ (Psalm 126,1+2)
Grund genug immer wieder aus vollem Herzen zu lachen, den Widrigkeiten des Lebens zum Trotz.
Fröhliche Faschingstage
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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13.02.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
vor gut drei Wochen gedachten wir in Kleinostheim des Bombenabwurfes vor 75 Jahren! Unter Glockengeläut wurden im ökumenischen Gottesdienst die Namen der Opfer verlesen. Im Anschluss daran wurden auch die Namen der Opfer genannt, die dem sogenannten Euthanasiegesetz zum Opfer fielen.
Ich glaube, das war für die vielen Besucher besonders eindrücklich. Wieder stand vor Augen, was Menschen einander antun; wie wenig Leben zählen kann…
Drei Wochen später, am 13./14. Februar traf es mit unsäglichem Leid und einer massiven Wucht Dresden!
Erinnern möchte ich in diesen Tagen an eine Person, die mit viel Glück das ganze Elend überlebte:
Er ist Jude, Professor und Eigenheimbesitzer in Dresden. Eines Tages ist er nur noch Jude. Die Nationalsozialisten nehmen ihm alles weg. Sie schicken ihn und seine Familie ins Judenhaus. Dort sitzt Victor Klemperer (1881–1960) und schreibt Tagebuch, über zehn Jahre lang. Am Tag muss er in die Fabrik, abends und nachts schreibt er. Die Tagebücher haben den großartigen Titel „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“. Das Letzte, die vollkommene Tragödie war der schwere Bombenangriff auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945. Den überlebt die Familie im Bunker. Die Tagebücher, damals nur ein Kasten mit vielen losen Blättern, überleben auch. Als sie lange nach Klemperers Tod erscheinen, werden sie ein Welterfolg. Darum wissen wir heute, wie es damals war, als kein Recht mehr galt und viele gläubige Menschen nur Freiwild waren.
Victor Klemperer bekommt nach dem Krieg seine Professorenstelle zurück und ein neues Eigenheim. Er überlebt, weil er Glück hat. Und weil es manchmal Papier und Bleistifte gibt. Ohne das Aufschreiben wäre er verrückt geworden, sagt er. Die Tagebücher sind für ihn wie ein Geländer in der Finsternis. Beobachte, hat er sich selbst gesagt, präge dir ein, schreib es auf – das erhält dir die innere Freiheit. So schlimm die Tage sind, so viele Freunde, Juden und Christen, er auch zu Grabe tragen muss, er verbiegt sich nicht. Er verrät sich selbst und seinen Glauben auch in äußerster Not nicht. Die innere Haltung ist wichtig, wenn die äußere Haltung ins Wanken kommt. Innen kann man gerade bleiben, wenn man außen gebeugt wird durch was auch immer. Innen kann der Geist frei bleiben, wenn außen alles verlogen ist. Hauptsache, ich habe eine Haltung und will mich klar bekennen.
Jesus hat das gewusst; das mit der Haltung. In seinem Gleichnis vom Sämann, der das Wort aussät, weiß Jesus genau, wie schwierig das Wachstum guter Worte ist. Es gibt, man glaubt es kaum, viel Widerstand gegen das Gute. Nicht weil man gegen das Gute ist, sondern weil die eigenen Interessen vielen noch wichtiger sind. Erst kommt, was mir wichtig ist, sagen viele, dann kommt das Gute. So wird manches eher schlecht. Haltung heißt auch, nicht nur auf meine, sondern auch auf andere Interessen zu blicken. Dann haben das Gute, die guten Worte, die größten Möglichkeiten zu wachsen.
Wer das Gleichnis nach lesen möchte: es steht bei Lukas im 8. Kapitel, die Verse 4-15!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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06.02.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
mit leuchtenden Augen sitzen sie im Kreis vor mir; voller Erwartung und Spannung. Welche Geschichte wohl heute auf sie wartet? Ich liebe es Geschichten zu erzählen und die Reaktionen in den Gesichtern der Kinder zu sehen, wie sie mitfiebern, erstaunt sind und manchmal auch empört sind. In der Schule ist meine Frage im Anschluss nach jeder Geschichte: „Welches war dein liebstes Bild in der Geschichte?“ Und dann schießen die Finger schon nach oben, jeder und jede hat ein Bild, das ihm und ihr am liebsten war.
Wer hört nicht gern Geschichten? Auch wir selbst erzählen uns in Geschichten, wenn wir nach Hause kommen und uns von unserem Tag erzählen. Dabei entdecke ich mich selbst in den Geschichten der anderen, ziehe Parallelen oder schüttele verwirrt den Kopf. Geschichten berühren mich. Und immer wieder bin ich begeistert, dass diese alten biblischen Geschichten aktuell sind und etwas anders erzählt ins heute versetzt werden können. Wir alle kennen Geschichten über Neid, Wut, Hoffnung, Nächstenliebe, und mehr – Geschichten mitten aus dem Leben gegriffen – Geschichten, die die Bibel erzählt.
Gespannt warte ich dann immer und höre zu, wenn die Kinder mir erzählen, wo sie sich ähnlich gefühlt haben, wie die Personen in der gerade erlebten Geschichte.
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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30.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
„ Ach wissen Sie Herr Pfarrer, ich bin zufrieden“, sagte die alte Dame bei meinem Besuch anlässlich ihres Geburtstages. „Ich habe so vieles in meinem Leben erlebt. Fröhliche und schweren Stunden. Und nun im hohen Alter… Nicht immer ist es leicht, aber ich bin zufrieden!“ Und dabei lächelte sie mich an.
Und ich dachte bei mir: Sie ist mit sich „in Frieden“. Einen besseren Zustand kann es eigentlich nicht geben. Ein Mensch, der nicht mit sich und seinem Geschick hadert; ein Mensch der nicht klagt und jammert oder gar verbittert ist. Sie versucht mit dem zu leben was ist. Und ich spürte – sie lebt auch nicht „einfach so“, sondern lebt mit sich und dem Geschick „in Frieden“. Muss das nicht herrlich sein?
Auf dem Weg nach Hause fiel mir der Simeon im Evangelium des Lukas ein. Das war auch solch ein Mensch. Wir wissen wenig von ihm, außer dass sich ihm ein großer Lebenswunsch erfüllt hat. Dann sagt er im Gebet zu Gott (Lukas 2,29): Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren. Was so viel heißt wie: Ich bin im Reinen mit dir und meinem Leben. Du, Gott, kannst mich zu dir nehmen.
So weit muss es jetzt ja nicht kommen, um mit sich in Frieden zu sein. Das geht nicht erst vor dem Tod, das geht auch schon zu Lebzeiten.
Der alte Simeon hat lange auf die Erfüllung seines Wunsches gewartet. Er, der fromme Jude, wollte unbedingt den versprochenen Erlöser sehen. Er wartet schon Jahre auf ihn im Tempel zu Jerusalem. Dahin müssen die Eltern des Erlösers kommen, 40 Tage nach der Geburt ihres Kindes. Der Glaube erwartet von den Eltern, dass sie Gott für das Kind danken und ihm das Kind „darbringen“. Der 40. Tag nach der Geburt Jesu ist immer der 2. Februar, das Fest „Lichtmess“. Der alte Simeon im Tempel, der so lange gewartet hat, sieht nun den Heiland und preist ihn als ein Licht der Welt. Nun ist Simeon in Frieden mit sich. Seine Augen haben gesehen, was sie sehen wollten.
Wer krank ist im Leben oder Schweres tragen muss(te) hat es nicht so leicht mit dem Frieden. Krankheit oder Schicksalsschläge sind eine Störung der Ordnung, so empfinden wir es oft. Menschen geraten durcheinander, die alltägliche Ordnung gerät in Unordnung. Das ist schlimm. Wie kann man da Frieden finden?
Nur durch Vertrauen, glaube ich. Vertrauen ist manchmal, als würde ich mich Gott in die Arme werfen müssen. Ich erkenne keinen Sinn, ich habe Angst, ich empfinde die Unordnung im Leben – und kann doch nichts tun. Außer einem: mich Gott in die Arme werfen und hoffen, dass er mir nichts Böses will. Das ist Vertrauen: hoffen, dass ich geführt werde, auch wenn ich es nicht sehen, nicht erkennen kann, hoffen, dass mich Menschen und meine Familie und Freunde in dieser Zeit der Ungewissheit ein wenig stützen und tragen – und Gott mein Gott ist, dem ich mich anbefehle wie der alte Simeon, der immer wieder hoffte, dass Gott ihn führt.
Manchmal müssen wir vertrauen. Wir sind nie hilflos, auch wenn es so aussieht. Vertrauen ist dann unsere Hilfe. Es gibt Zeiten, da können wir buchstäblich nichts tun. Aber das eine können wir, immer: Gott und Menschen zutrauen, dass sie es gut mit uns meinen.
Mit Maria Lichtmess endet nun die Weihnachtszeit, aber SEIN Versprechen geht mit und gilt für alle Zeit: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus…“! Und Jesus sagt zu uns: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Und damit lässt es sich im Frieden leben!
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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23.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
ein Zauber – der Fotograf Mehmet Gençe fotografiert Frauen, meist aus abgelegenen Gegenden der Welt, und zaubert dabei. Die Portraits zeigen junge und alte Gesichter, die nicht im klassischen Sinne „schön“ sind. Die Haut faltig, die Augen zusammengekniffen, das Haar fahl. Das Leben hat tiefe Linien in die Gesichter gegraben und trotzdem strahlt jede eine beeindruckende Würde aus.
Und dann kommt der Zauber: „Du bist schön!“ sagt Mehmet Gençe den Frauen und macht im selben Moment ein Foto. Die Frauen erblühen und das Ergebnis ist hinreißend. Es ist offensichtlich: Der Satz „Du bist schön“ verändert etwas. Er macht Menschen schön.
„Du bist schön“ – dieses Kompliment sagt auch Gott zu jedem einzelnen von uns. Du bist schön und wertvoll, egal welche Falten das Leben in unser Gesicht und unsere Seele gezeichnet hat. Wir dürfen uns darüber freuen, strahlen, daraus Mut schöpfen. Und bei Gelegenheit können wir ihn weitersagen und sehen, dass sich etwas verändert.
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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16.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser!
Ein neues Jahr hat begonnen. Das Jahr 2020 nach Christi Geburt. Oder sollte ich vielleicht besser sagen: das Jahr 2020 „unserer Zeitrechnung“, abgekürzt u.Z.? Auf diese Formulierung stoße ich nämlich in letzter Zeit öfter. Ich finde sie in Zeitungsartikeln, vermehrt aber auch in Büchern. Da wird der christliche Bezug bewusst vermieden. Übrigens nicht die einzige sprachliche Veränderung, die gegenwärtig um sich greift. Da wird aus dem Martinsfest im November ein Sonne-Mond-und-Sterne-Fest und Weihnachtsmärkte heißen plötzlich Wintermärkte.
Unsere Sprache ist immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Viele Menschen halten den christlichen Glauben heute für erledigt. Ich nicht. Das heißt nicht, dass ich mir meines Glaubens immer ganz sicher wäre. Ich habe ihn nicht in der Tasche und bin zu keinem Zeitpunkt vor Zweifeln gefeit.
Die Jahreslosung bringt es auf den Punkt. Sie ist einer Szene aus dem Markusevangelium entnommen und lautet: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Der nähere Zusammenhang ist rasch erzählt. Der Vater eines an Epilepsie erkrankten Jungen bringt sein Kind zu Jesus, weil diesem der Ruf eines Wunderheilers vorauseilt. Vielleicht, so hofft er, wird Jesus gelingen, was auch den besten Ärzten bisher nicht gelungen ist. Vielleicht ist der Mann aus Nazareth ja wirklich von Gott gesandt. Aber sicher ist sich der Vater nicht. Und so sagt er, hin- und hergerissen zwischen Vertrauen und Zweifel: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“
Zweierlei finde ich an dem Vater bemerkenswert. Da ist zum einen die innige Liebe zu seinem kranken Kind. Nichts wünscht er sehnlicher, als dass der Junge gesund wird. Wer unter Ihnen selbst Kinder großgezogen hat, kann seinen Wunsch vermutlich gut nachvollziehen. Aber noch etwas anderes fällt mir auf. Der Vater verbirgt gegenüber Jesus seine Vorbehalte und Zweifel nicht. Er ist grundehrlich und zeigt seine Zerrissenheit. Diese Ehrlichkeit wird von Jesus anerkannt. Am Ende der Geschichte ist das Kind geheilt.
Mich tröstet diese Geschichte. Denn aus ihr lerne ich: Bei Gott sind Zweifel erlaubt. Ich muss mich vor Gott nicht stärker geben, als ich tatsächlich bin. Ich darf zu meinen Zweifeln und meiner inneren Armut stehen, wann immer mir die Last des Lebens zu schaffen macht und mich an meine persönlichen Grenzen bringt.
Erledigt, wie manche Zeitgenossen behaupten, ist der christliche Glaube keineswegs. Aber einfach zu haben und zu bewahren ist er auch nicht. Der bedeutende katholische Theologe Karl Rahner (1904–1984) hat einmal gesagt: „Glauben heißt: die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.“ Die Kraft dazu aber bringe ich nur dann auf, wenn ich Gott immer wieder um Hilfe und Stärkung im Glauben bitte. Und um die Kraft bitte, ihm zu vertrauen. Das gilt auch im neuen Jahr. Und darum begehe ich dieses Jahr ganz bewusst als das Jahr 2020 nach Christi Geburt.
In diesen Tagen bzw. am kommenden Dienstag gedenken wir des Bombenabwurfes auf Kleinostheim vor 75 Jahren. So wie es wichtig ist sich seines Glaubens zu erinnern, um daraus Kraft für das Leben zu schöpfen, so ist es auch wichtig sich an solche Ereignisse zu erinnern, auch wenn sie weit weg erscheinen. Erinnerung hat sich nicht erledigt, denn sie öffnet die Augen für die Gegenwart, um achtsam zu sein für die Gefährdungen des Lebens.
Aus diesem Grund erinnern wir uns am 21. Januar an das, was in Kleinostheim vor 75 Jahren geschah. Wir erinnern an die Opfer, an die Menschen, an die Ursachen. Und daraus möge uns Kraft und Vertrauen für die Gegenwart und Zukunft erwachsen.
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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13.01.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
am Beginn eines neuen Jahres liegen so manche Wege noch unberührt und unbelastet vor uns. Kreuzungen können neu markiert werden und Abzweige selbst bestimmt werden. Aber was kommt dann? Was befindet sich hinter den Kurven, die wir nicht einsehen können? Bei aller Neugier auf das Neue, ist da doch auch so manche Skepsis und vielleicht auch mulmiges Bauchgefühl dabei.
Von Bernhard von Clairvaux, einem mittelalterlichen Mönch, sind folgende Zeilen überliefert: Der Herr zieht mit! Er ist schon da! Der dich getragen, geprägt, geführt und befreit hat. Er ist schon dort. Geh mit ihm. Erfahr ihn, wie du es nie geglaubt hast. Er ist schon dort. Der dich in Ungeahntes, Neues führt. Er ist schon dort. Geh – du bist nicht verlassen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes neues Jahr!
Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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